06.10.2026

Im Gespräch mit Katja Felke

Katja Felke, Geschäftsführerin Silkes Weinkeller, Mettmann

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Wein und was macht das Produkt für Sie besonders?

Ich bin als E-Commercelerin in die Weinbranche gekommen. Meine Neugier auf Wein ist seitdem immer größer geworden. Ich möchte das Produkt, das wir verkaufen, wirklich verstehen. Je mehr ich darüber erfahre, desto spannender finde ich es.

Das Besondere an Wein ist für mich, wie viel in einem Glas zusammenkommt: Herkunft, Klima, Handwerk und die Entscheidungen der Menschen dahinter. Man kann sich intensiv damit beschäftigen und wird trotzdem immer wieder überrascht. Und dann sitzt man mit anderen am Tisch, öffnet eine Flasche und aus all diesen Geschichten wird ein gemeinsamer Moment.

Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?

Einen einzigen Lieblingswein festzulegen, fällt mir schwer. Dafür gibt es zu viele spannende Weine und immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Außerdem hängt meine Auswahl vom Anlass ab: Was essen wir, mit wem sitze ich zusammen, worauf habe ich gerade Lust? Mein Lieblingswein darf deshalb durchaus wechseln.

Bei der Vielzahl an europäischen Weinanbaugebieten: Haben Sie einen Liebling?

Österreich steht bei mir weit oben. Mich begeistert die Vielfalt der Weine und wie viel Eigenständigkeit man dort entdecken kann. Aus meiner Sicht bekommen österreichische Weine in Deutschland noch nicht die Wertschätzung, die sie verdienen.

Auf ein einziges Anbaugebiet möchte ich mich trotzdem nicht festlegen. Dafür kann man fast überall spannende Entdeckungen machen. Wofür soll man sich da entscheiden?

Welche Weinanbauregion in Europa ist für Sie aktuell noch ein Geheimtipp beziehungsweise im Kommen?

Wenn es um unterschätzte Weinherkünfte geht, würde ich tatsächlich wieder Österreich nennen. Da gibt es aus meiner Sicht noch viel Potenzial, mehr Menschen für diese Weine zu begeistern.

Darüber hinaus finde ich Weinländer wie Moldawien oder Georgien spannend. Bei einer Verkostung moldawischer Weine habe ich gerade wieder erlebt, wie viel es abseits der vertrauten Herkünfte zu entdecken gibt. Ich würde deshalb weniger einen einzelnen Geheimtipp nennen als dazu ermutigen, neugierig zu bleiben und gelegentlich eine Flasche auszuwählen, deren Herkunft man bisher kaum kennt.

Zu Ihrer Berufstätigkeit: Mit welchen vorherrschenden Themen und Trends sehen Sie sich aktuell als Geschäftsführerin von Silkes Weinkeller konfrontiert?

Eine zentrale Frage ist für mich: Wie begeistern wir Menschen online für Wein und schaffen eine dauerhafte Kundenbeziehung? Dazu gehören eine gute Auswahl, verständliche Beratung und verlässlicher Service. Aber auch die Emotionalisierung des Produkts. Wein bringt so viele Geschichten mit, die wir digital erlebbar machen können.

Deshalb beschäftigen wir uns mit „Winetainment“, also der Verbindung von Wein und Unterhaltung, ebenso wie mit Social Commerce und Live Shopping. Wie können Kunden etwas entdecken, sich austauschen und Spaß daran haben? Gerade im Premiumsegment müssen wir vermitteln, was einen Wein besonders macht und warum er seinen Preis wert ist.

Gleichzeitig müssen wir profitabel und effizient arbeiten. Hier spielen KI und die Weiterentwicklung unserer Prozesse eine zentrale Rolle, von der Beschaffung über die Logistik bis zum Marketing und Kundenservice. Meine Aufgabe ist es, diese Entwicklungen zusammenzubringen und mit dem Team in den Alltag zu übersetzen.

Online ist Ihr „Daily Business“. KI verändert Geschäfts- und Arbeitsprozesse. Inwieweit ist dies bei Silkes Weinkeller bereits bemerkbar beziehungsweise wird aktiv eingesetzt?

KI ist bei uns inzwischen in zentralen Geschäftsprozessen angekommen. Wir erstellen damit bereits Content und Bilder, aber das ist nur ein kleiner Teil. Wir nutzen KI auch zur Unterstützung der Steuerung von Logistik und Beschaffung. Im Kundenservice bauen wir gerade einen KI-Layer auf, der unser Team bei der Bearbeitung von Anfragen unterstützt.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist unsere Produktdatenbank. Hier nutzen wir KI, um Produktwissen für eine bessere Kundenberatung verfügbar zu machen. Im Marketing hilft sie uns, aktuelle Suchinteressen zu erkennen und unsere Inhalte und Angebote gezielter auf die einzelnen Kanäle und Zielgruppen abzustimmen.

Dabei stehen wir noch lange nicht am Ende. Unser Anspruch geht über die Optimierung einzelner bestehender Abläufe hinaus. Wir überlegen auch, wie wir Prozesse mit den Möglichkeiten von KI neu gestalten können, um mittelfristig effizienter und konsequenter aus Kundensicht zu arbeiten. Dafür brauchen wir neben der Technologie auch das Wissen und die Erfahrung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Kommen wir vom Tagesgeschäft online zur Präsenz auf Messen wie der EUROVINO. Wo liegt hierbei die Wichtigkeit für Ihre Geschäftstätigkeit?

Für unser Onlinegeschäft ist der persönliche Austausch sehr wichtig. Wir können Weine gemeinsam verkosten, mit den Erzeugern sprechen und besser verstehen, welche Menschen und Ideen dahinterstehen. Dieses Wissen hilft uns später, die Weine unseren Kunden überzeugend zu vermitteln.

Dabei geht es längst um mehr als den Einkauf. Wir sprechen über Kooperationen, gemeinsame Projekte und darüber, wie wir uns gegenseitig unterstützen können. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Händlern ist wertvoll: Welche Ansätze funktionieren? Was beschäftigt uns gleichermaßen? Wo können wir gemeinsam etwas bewegen?

Die EUROVINO hat dafür einen Rahmen, der mir sehr gefällt. Ihre Größe ermöglicht persönliche Begegnungen und gibt Gesprächen Raum. Dazu kommt ein interessantes Rahmenprogramm, das zusätzliche Anlässe bietet, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Sie sind nun selbst Beirätin der EUROVINO. Was reizt Sie an dieser Aufgabe und welche Aspekte möchten Sie in die Zusammenarbeit einbringen?

Mich reizt die Möglichkeit, ein Messeformat mitzugestalten und dabei die Perspektive des digitalen Handels einzubringen. Ich komme aus dem E-Commerce und beschäftige mich täglich damit, wie Menschen Wein entdecken, auswählen und kaufen. Dazu gehören für mich auch Kundenbindung, die Emotionalisierung des Produkts und die Möglichkeiten von KI.

Diese Erfahrung möchte ich mit den Perspektiven der anderen Beiratsmitglieder verbinden. Wie können wir neue Zielgruppen erreichen? Welche Unterstützung brauchen Erzeuger und Händler bei der Vermarktung? Und welche Formate fördern einen Austausch, aus dem konkrete Zusammenarbeit entsteht?

Dabei möchte ich auch die persönliche Nähe bewahren, die mir an der EUROVINO gefällt. Eine gute Messe schafft Raum für Begegnungen und liefert Impulse, die wir anschließend in unseren Unternehmen nutzen können.

Warum ist die EUROVINO als Messeformat mit Fokus auf den deutschsprachigen Absatzmarkt für die Branche wichtig?

Wir erleben, wie herausfordernd der Absatz gerade auch für deutsche Weine ist. Als Händler tragen wir Verantwortung, hier gegenzusteuern: neue Zielgruppen zu erschließen, die Kommunikation zu verbessern und die passenden Weine für die jeweiligen Kunden auszuwählen.

„Besser verkaufen“ bedeutet für mich, Herkunft, Handwerk und Besonderheiten verständlich und interessant zu vermitteln. Dafür brauchen wir gute Geschichten und ein klares Verständnis davon, was die jeweilige Zielgruppe anspricht.

Genau deshalb ist eine Plattform für den direkten Austausch so wichtig. Wenn Erzeuger und Händler gemeinsam überlegen, wie sie Kunden erreichen, entstehen Möglichkeiten, die jeder für sich vielleicht nicht entwickeln würde. Das können Kooperationen, gemeinsame Aktionen oder neue Vermarktungsansätze sein. Der Fokus auf den deutschsprachigen Absatzmarkt gibt diesen Gesprächen eine konkrete gemeinsame Grundlage.

Was macht für Sie persönlich die EUROVINO aus?

Die Gespräche, die Entdeckungen und die persönliche Atmosphäre. Ich mag, dass die Größe der Messe Nähe ermöglicht und man Zeit findet, sich wirklich auszutauschen. Das interessante Rahmenprogramm ergänzt das für mich sehr gut. Ich möchte mit neuen Ideen und Kontakten zurückkommen, aus denen anschließend etwas entsteht.

Und die EUROVINO hat für mich inzwischen auch eine besondere persönliche Bedeutung: Dort wurde Silkes Weinkeller bei den Fair Wine Awards* als Weinhändler des Jahres 2026 in der Kategorie Online-Handel ausgezeichnet. Darüber haben wir uns als Team riesig gefreut. Das bleibt natürlich hängen.

*Anm. der Redaktion: Wurde im September 2026 in ‚Future Wine Awards‘ umbenannt

Foto Katja Felke: Manuel Thomé

Katja Felke