Im Gespräch mit Alexander Marschall
Alexander Marschall, Gründer, Gesellschafter, Geschäftsführer vinocentral GmbH, Darmstadt
Woher kommt Ihre Leidenschaft für Wein und was macht das Produkt für Sie besonders?
Angefangen hat alles 1993 mit italienischen Spezialitäten und Wein gehörte von Anfang an selbstverständlich dazu. Daraus ist über die Jahre eine echte Leidenschaft geworden. Besonders ist Wein für mich, weil kein anderes Produkt so von seiner Herkunft erzählt: von Boden, Klima, Tradition und den Menschen, die ihn machen.
Welcher ist Ihr europäischer Lieblingswein?
Das wechselt, aber aktuell bin ich großer Fan des Furmint von Verus aus der slowenischen Steiermark. Drei befreundete Winzer haben das Weingut 2007 gegründet, und ihr Furmint ist saftig, rund und harmonisch, mit feiner Mineralik. Schon der Name passt: Verus heißt „wahr“, und genau das erwarte ich von einem Wein.
Haben Sie einen Liebling unter den Weinanbaugebieten?
Süddalmatien, wo ich privat sehr verwurzelt bin. Wenn man eine Gegend nicht nur als Urlauber kennt, schmeckt man den Wein anders. Der Plavac Mali von Pelješac und der Pošip von Korčula sind für mich ein Stück Lebensgefühl im Glas, und beide haben wir auch bei vinocentral im Sortiment.
Welche Region ist ein Geheimtipp bzw. im Kommen?
Ich schaue mit großem Interesse nach Griechenland, Portugal und Osteuropa. Dort gibt es autochthone Rebsorten und Winzer mit viel Pioniergeist, die hierzulande noch kaum jemand kennt. Wir führen bewusst Dutzende Weine aus diesen Ländern, weil es in Europa noch so viel zu entdecken gibt.
Was macht Ihr (Erfolgs-)Rezept aus?
Wir denken vom Gast aus, nicht in Kanälen. Bei uns kann man morgens einen Espresso trinken, abends jede Flasche aus dem Sortiment vor Ort genießen und Wein bei Verkostungen und Events erleben. Zugleich bestellen Kunden aus ganz Europa in unserem Onlineshop. Die Auswahl richtet sich nach Qualität statt nach Trends, die persönliche Beratung bleibt das Herzstück, und unser vielfältiges Team ist die Seele des Hauses.
Mit welchen Themen sehen Sie sich aktuell konfrontiert?
Der Weinkonsum geht zurück, es wird bewusster getrunken, und jüngere Zielgruppen wollen anders angesprochen werden. Onlinehandel und KI verändern, wie Menschen sich informieren und einkaufen, dazu kommen steigende Kosten und der Fachkräftemangel. Uns ist wichtig, verantwortungsvoll zu wirtschaften: etwa mit dem Einsatz eines Lastenrads und einem Weinlager ohne Heizung und Kühlung, sowie sozial als inklusiver Betrieb.
Inwiefern kann die EUROVINO Lösungsansätze bieten?
Gerade in einem Markt, der sich so stark verändert, braucht es Orte für direkten Austausch. Auf einer kuratierten Messe kann man in kurzer Zeit viel probieren, vergleichen und mit Erzeugern sprechen, weil die Vorauswahl schon stimmt. Außerdem macht sie Entwicklungen sichtbar, von neuen Regionen bis zu alkoholfreien Weinen.
Was reizt Sie an der Aufgabe als Beirat?
Ich bringe über 30 Jahre Praxis aus Fachhandel, Gastronomie und Onlinehandel mit, also genau die Perspektive der Einkäufer, für die die Messe gemacht ist. Einbringen möchte ich den Blick auf Qualität und Herkunft sowie auf spannende Neuentdeckungen. Und ich möchte den Austausch in der Branche stärken, denn die großen Fragen unserer Zeit löst niemand allein.
Warum ist der Fokus auf den deutschsprachigen Markt wichtig?
Der deutschsprachige Raum ist einer der wichtigsten Weinmärkte Europas, mit eigenen Vorlieben und Strukturen. Eine Messe, die sich genau darauf konzentriert, bringt Erzeuger und Händler zusammen, die wirklich zueinander passen. Und Karlsruhe liegt mitten zwischen den großen deutschen Anbaugebieten, kürzer können die Wege kaum sein.
Was macht für Sie persönlich die EUROVINO aus?
Ehrlich gesagt waren wir nie die großen Fans riesiger Messen, wir sind lieber auf kleineren Veranstaltungen und bei Winzern vor Ort. Die EUROVINO hat genau diese Qualität: überschaubar, kuratiert und ganz auf den Wein konzentriert. Man hat Zeit für echte Gespräche und geht mit neuen Ideen nach Hause statt mit wunden Füßen.
